key2agile

Rezension: Das Corporate Innovation Mindset

Das Corporate Innovation Mindset. Wie toll ist es, wenn man im Netzwerk einen Kollegen hat, der für sein Leben gerne Bücher schreibt – und  man diese dann auch noch rezensieren darf. Genau, ich meine meinen geschätzten Kollegen Valentin Nowotny. Valentin hat den Grundlagen-Beststeller “Agile Unternehmen”, sowie das Buch „Agile Evolution“, beide im Business Village Verlag erschienen, geschrieben. Sein neuestes Werk (welches er mit 2 Mit- Autoren geschrieben hat) handelt von dem Innovations-Gen in Unternehmen und lautet demzufolge: „Corporate Innovation Mindset“.

Um was geht es im Buch?

Das Buch handelt nicht von einer Ansammlung von Tools und Methoden, die man dann je nach Framework phasenweise abarbeiten soll oder darf, nein – das Buch beschäftigt sich insbesondere mit den Besonderheiten einiger ausgewählter Organisationen und deren „Innovations-Mindset“, in das das Buch Einblick gewährt. Dieses Fachbuch zeigt anschaulich, wie sich die Art und Weise auf „Innovation“ zu schauen, ändert. Es gibt konkrete Einblicke in die Funktions- und Arbeitsweise von Innovation – Hotspots in Österreich, der Schweiz und Deutschland.

Zum Inhalt

Besonders überraschend war für mich, das das Buch zunächst nicht von Innovation im engeren Sinne spricht, sondern Innovation eher die Übersetzung für ein agileres, streng auf den Markt und Nutzer ausgerichtetes Unternehmens-Mindset meint, dass mit einer Vielzahl von handlungsleitenden Prinzipien daherkommt. Dabei entsteht dieses Mindset durch die individuelle Kombination und Anwendung von Handlungs- Prinzipien, die jedes Unternehmen einzigartig macht. Innovation also als ganz individueller identitätsstiftender Faktor der Unternehmen, welcher sich so eben nicht ohne weiteres kopieren lässt. Diese handlungsleitenden Prinzipien, die als Innovation-gen daher kommen, erlebt der Leser in vielen unterschiedlichen Lernreisen, in denen er die Zutaten für „innovative, agile“ Organisationen kennenlernt.

Schön finde ich, dass Zitate wie dieses in das Buch Eingang gefunden haben:

„An alle, die anders denken, die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker, die, die sich in kein Schema pressen lassen, die, die Dinge anders sehen – sie beugen sich keinen Regeln und sie haben keinen Respekt vor dem Status quo. Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen. Das Einzige, was wir nicht können, ist, sie zu ignorieren – weil sie Dinge verändern, weil sie die Menschheit weiterbringen. Und während einige sie für verrückt halten, sehen wir in ihnen Genies. Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun.“

Habt Ihr es erkannt? Genau Apple hat mit diesem wunderbaren, so inspirierenden Werbespot auf den Punkt gebracht um was es in diesem Buch geht, oder zumindest ein wenig.

Sicherlich lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob Innovation im Sinne von Apple ein Vorbild für andere Unternehmen sein kann, zumal wir ja gelernt haben, dass das Silicon Valley hervorragend als Inspirationsquelle dient, meistens aber NICHT geeignet ist, um die Kopiermaschinen zu starten.

Kurz: Das Buch referenziert zum Glück auf europäische und deutschsprachige Unternehmen, die IHREN Weg gegangen sind und somit muss man mit diesem Buch nicht in die Ferne schweifen, um nach „Vorbildern“ zu suchen. Evtl. auch das eine Erkenntnis zwischen den Zeilen; in Europa gibt es mittlerweile viele innovative Unternehmen und wenn ich mir noch eine Ergänzung erlauben darf, zum Glück mit dem richtigen Mindset, wenn es darum geht Datenschutz und Persönlichkeitsrechte der Bürger zu berücksichtigen – dank an die europäische Gesetzgebung.

Wertvoll erscheint mir in diesem Buch, das es viele Beispiele in einer Art Zusammenfassung geschafft haben, die bisherigen Erkenntnisse agiler Arbeitsweisen und Denkwerkzeuge zu konsolidieren und damit fast ein kleines Nachschlagewerk für die agile Organisation geworden ist. Allerdings immer vor dem Hintergrund, dass der Leser auf den vielen Lernreisen etwas zu den individuellen Zutaten, die zur Innovations-DNA gehören, erfährt. Hinzu kommt auch ein Einblick in jene Muster, die Innovation eher behindern als fördern.

Einige spannende (im Sinne von Spannung) Aussagen im Rahmen der angesprochenen Lerneisen, die ich aus einigen ausgewählten Abschnitten zitieren möchte:

„… Konzerne funktionieren wiederum nicht ohne Compliance-Richtlinien und strikte Controllingvorgaben…“

„…Wert – der Value! Die agile Organisationsstruktur ist also dann geeignet, wenn sie für die Kunden echten Mehrwert stiftet.“

„…die klassische Führungskraft gibt es nicht mehr“

„…Für diese Form der Psychohygiene hilft uns ein Werkzeug aus Scrum, die sogenannte Retrospektive, kurz Retro. Wir nutzen sie, um unsere Zusammenarbeit systematisch weiterzuentwickeln, und haben damit eine Kultur des gemeinsamen Lernens geschaffen.“

„..Die für uns typische Customer Obsession, also eine leidenschaftliche Kundenorientierung, schlägt sich auch in einem weiteren Prinzip nieder, dem ›Working backwards‹”

„…Das Motto lautet: Don’t ask for permission, ask for forgiveness! Jetzt muss ich aber los«, sagt Daniel schließlich, »die nächste konstruktive Streitschlichtung wartet …« „

FAZIT

Das Buch liefert eine Menge an Tipps & Tricks beim Verständnis, was Unternehmen wirklich innovativ und agil macht und sie mit Ihrem Purpose vom Wettbewerber unterscheiden lässt. Das hängt von Produkt, Markt und Umfeld ab. Auch wird Agilität so im Zusammenhang deutlich „greifbarer“ und man nähert sich noch einmal aus einer anderen Perspektive als die typische Blick aus Framework bzw. Prozesssicht oder auch der Führung.

So erhält man zu den vielen Innovations- Genen eben auch die so wichtigen Beispiele und Ansätze, wie die “Innovation” in der Praxis “entsteht”.

Das Buch finde ich daher wirklich empfehlenswert, da es viele Anregungen, Impulse und durch die Lernreisen mit den relevanten Fallbeispielen eine sehr gute Orientierung schafft. Es wird klar, WAS getan werden KANN, um Innovation zu fördern. Über die üblichen Verdächtigen wie Design Sprints, Design Thinking, Kanban oder Scrum hinaus, liefern die Innovations- Gene eben einen Blick über den Tellerrand hinaus. Damit ist dieses Buch für alle interessant die sich in irgendeiner Form damit beschäftigen, dass eigene Unternehmen agiler und innovativer „denken“ zu müssen bzw. die Transformation anzustoßen und zu begleiten.

Aber ein wenig Kritik erlaube ich mir auch. Zeitweise führen die Innovation-gene und die Notwendigkeit, diese immer wieder zu „entschlüsseln“, auch zu Verwirrung und bedürfen schon auch gewisser Vorerfahrung. Mir fehlte für ein echtes Playbook dann noch mehr an Übersetzung der Innovationsgene an der ein oder anderen Stelle: So klingt das Innovationsgen „RS – Reduce and Simplify: Dinge so einfach wie möglich zu machen, sodass sie das Grundbedürfnis befriedigen und damit der Vielfalt des technisch Möglichen widerstehen“ – trotz der kurzen Erläuterung, dann doch manchmal einfacher als getan und da wünschte ich mir hier und da doch noch mehr Futter an den Knochen. Vielleicht im Sinne einiger Schlagworte die noch deutlicher machen WAS hier gemeint ist.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, als Agile Coach und Berater kann ich sagen, dass jedem Innovationsgen eigentlich ein eigenes kleines Buch gewidment werden könnte. Ich hätte mir auch Konzepte wie das der „kontinuierlichen Selbsterneuerung“ als Teil des Buches gut vorstellen können, dass ein weiteres Innovations-Gen darstellen könnte. Ich werde Valentin gleich mal darauf hin anhauen, evtl. gibt es ja noch eine erweiterte Fassung 😉

Tolles Buch, was mich auch inspiriert, und bestätigt die Innovationsgene weiter bei meinen Kunden als Trainer, Agile Coach und Berater in die Umsetzung zu bringen. Klare Kaufempfehlung – nicht nur für agile Coachs!

 

 

 

Alexander Schaaf
administrator
Initiator und Gründer von key2agile. Als zertifizierter Scrum Master (CSM) sowie zertifiziert als Kanban Professional und zertifiziert in Management 3.0 bin ich als agiler Coach, Trainer und Berater für diverse DAX-Unternehmen tätig sowie für KMU´s und kleinere Agenturen. Dabei verfolge ich immer das Ziel "Agilität" erlebbar zu machen und agile Haltung und Praktiken zu etablieren. "Agiltiät und dynamikrobuste Strukturen sind schon bald eine notwendige unternehmerische Basiskompetenz."

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.